Weniger Licht am Ende der Blüte? Ein Mythos
- Marius Lika
- 14. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Weniger Licht am Ende der Blüte soll nicht nur Terpene schützen, sondern sogar die Harzproduktion “auf das nächste Level” bringen. Die Theorie dahinter klingt plausibel, doch leider gibt es keine Belege dafür. Im Gegenteil: Studien legen nahe, dass auch gegen Ende der Blütephase mehr Licht zu mehr Ertrag führt. Was spricht dennoch dafür, die Cannabis-Beleuchtung in den letzten Tagen vor der Ernte zu dimmen? In diesem Beitrag schauen wir uns die möglichen Vor- und Nachteile genauer an.

Es gibt keine Studien die belegen, dass weniger Licht am Ende der Blüte einen positiven Effekt auf Harz-, Terpen- oder Cannabinoide-Produktion hat.
Der Mythos: Warum weniger Licht am Ende der Blüte vorteilhaft sein soll
Zum Herbst hin werden die Tage kürzer und die Sonne “schwäche”. Also nur logisch, dass man in der Growbox die Beleuchtung zurückfährt, um die natürlichen Bedingungen nachzuahmen, oder?
Befürwortern der “Weniger-Licht-am-Ende-der-Blüte-Theorie” zufolge, soll die Cannabispflanze auf diese Weise dazu gebracht werden, ihren “Reifeprozess” abzuschließen und nochmal richtig viel Harz zu produzieren. Belege dafür gibt es nicht.
Anderen Autoren zufolge sorgt die reduzierte Beleuchtung für förderlichen Stress, der zu einer gesteigerten Cannabinoid-Produktion und größeren Buds führt, praktisch als Abwehrmechanismus der Pflanze, weshalb (angeblich) manche Grower bereits bis zu 3 Tagen vor der Ernte ihren Pflanzen das Licht komplett entziehen. Die Qualitätssteigerung der Blüten ist allerdings nicht belegt. Im Gegenteil:
Studien zeigen, dass Ertrag und Cannabinoid-Gehalt mit steigender PPFD in der Blüte deutlich zunehmen, ohne dass in den getesteten Bereichen eine klare Sättigung erreicht wurde.
Die Wahrheit: Mehr Licht bedeutet mehr Ertrag
Insbesondere die Studien von Hahm S, et al. (2025) und Llewellyn D, et al. (2022) legen für uns den Schluss nahe:
So viel Licht wie nötig, so lange wie möglich – auch in der späten Blüte.
Denn der Ertrag steigt fast proportional mit der eingesetzten Lichtintensität. Doch welche Intensitäten sind sinnvoll?
Für die Blüte gelten PPFD-Wert zwischen 600 und 1000 µmol/m²/s als optimal, wobei für Werte am oberen Ende ein gut geführtes, kühleres Setup notwendig ist, um Lichtstress zu vermeiden. In Kombination mit einer Beleuchtungszeit von 12 Stunden liegt man damit auch beim DLI im Idealbereich von 35-45 mol/m²/Tag.
Im Falle von Grows mit angereichertem CO₂ sind sogar Werte im Bereich von 1200-1500 µmol/m²/s möglich, solange alle anderen Bedingungen stimmen.
Wann das Dimmen von Licht wirklich Sinn macht
Ist weniger Licht am Ende der Blüte also quatsch? Ja und nein. Zunächst einmal solltet ihr nichts am Lichtzyklus ändern. Aber es kann durchaus Sinn machen, die Beleuchtung etwas zu dimmen. Und zwar wenn:
sich die oberen Blätter bleichen,
die Temperatur zu hoch ist,
starke Foxtails durch Lichtstress auftreten,
denn PPFD-Werte an der oberen Grenze können für die Cannabispflanzen Stress bedeuten, weshalb eine Dimmung um 10-20% den Stoffwechsel entlasten und weitere Schäden verhindern kann.
Fazit
Wir glauben nicht, dass weniger Licht am Ende der Blüte viel bringt. Stellt euer Setup richtig ein, nutzt dazu unseren Lux-in-PPFD oder DLI-Rechner, beobachtet eure Pflanzen und greift erst ein, wenn ihr Zeichen von Lichtstress oder anderen Problemen erkennt. Ansonsten fahrt euren Grow ganz entspannt ins Ziel und erfreut euch an einer üppigen Ernte. Falls ihr allerdings vom Stretch eurer Pflanzen überrascht wurdet haben wir im folgenden Beitrag einige Tipps für euch: Wann Cannabis in die Blüte schicken?
Quellenverzeichen
Hahm S, et al. High light intensity enhances cannabinoid biosynthesis through concerted gene expression in hemp (Cannabis sativa) flowers. Front Plant Sci. 2025 Oct 21;16:1687794. doi: 10.3389/fpls.2025.1687794.
Llewellyn D, et al. Indoor grown cannabis yield increased proportionally with light intensity, but ultraviolet radiation did not affect yield or cannabinoid content. Front Plant Sci. 2022 Sep 27;13:974018. doi: 10.3389/fpls.2022.974018.



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