Cannabis Lichtzyklus
Wie ihr mittels Lichtzyklus Wachstum und Blüte steuert (umfassender Ratgeber)
Lichtzyklus, Bleuchtungsintensität und Wellenlänge: Licht ist für Cannabispflanzen weit mehr als reine Energie. Es ist auch ein wichtiges Steuersignal und entscheidet darüber, ob eine Pflanze wächst oder blüht, ob sie kompakt bleibt oder in die Höhe schießt, ob sie Harz bildet oder gestresst ist.
In diesem Artikel erklären wir euch nicht nur, wie viele Stunden Licht Cannabis in welcher Phase benötigt, sondern auch warum das so ist, welche Beleuchtungszyklen sich wirklich bewährt haben und welche Fehler ihr vermeiden solltet.
Am Ende des Beitrags findet ihr einen praktischen Lichtzyklus-Planer, der euch zeigt, wann ihr eure Pflanzen optimal von Wachstum (18/6) auf Blüte (12/12) umstellen solltet. Außerdem berechnet er Stretch, Gesamthöhe und Puffer, damit eure Pflanzen perfekt in eure Growbox passen.
Hinweis zum Aufbau unserer Akademie: Dieser Artikel behandelt die Frage „Wie lange Licht?" und ist eng verknüpft mit der Frage „Wie viel Licht?", denn die Beleuchtungsdauer in Kombination mit der Lichtmenge ergibt den Daily Light Integral (DLI), die wohl wichtigste Kennzahl im Cannabisanbau. Die Fragen „Welches Licht?" (Spektrum, PAR, PPF, PPFD) behandeln wir, ebenso wie den DLI, in einem eigenen Akademie-Artikel zur Cannabis-Beleuchtung.

Grundlage des Cannabis-Lichtzyklus
Der Begriff Lichtzyklus beschreibt das tägliche Verhältnis zwischen Licht- und Dunkelstunden, dem eine Cannabispflanze ausgesetzt wird. In der Natur ergibt sich dieser Rhythmus automatisch durch den Wechsel der Jahreszeiten. Im Indoor-Grow steuert ihr ihn per Zeitschaltuhr selbst.
Cannabis ist eine sogenannte Kurztagspflanze. Das bedeutet: Nicht die Lichtmenge allein entscheidet über Wachstum oder Blüte, sondern die Länge der ununterbrochenen Dunkelphase. Sobald die Nächte lang genug werden, also die Dunkelphase einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, registriert die Pflanze, dass der Herbst naht und es Zeit für Blüte wird.
Indoor simuliert ihr mit eurem Lichtplan und einem künstlichem Lichtzyklus genau dieses Signal. Das ist der Kern des Cannabis-Lichtzyklus.
Die Lichtphasen im Überblick – ein Zyklus, drei Phasen
Bevor wir in die Tiefe gehen, hier die kompakte Übersicht, als schnelle Orientierung für alle Phasen:
Phase | Empfohlener Lichtzyklus | Ziel |
|---|---|---|
Wachstum (Veg) | 18/6 (Standard) | Biomasse aufbauen, Struktur entwickeln |
Blüte | 12/12 | Blütenbildung auslösen und maximieren |
Autoflower (alle Phasen) | 18/6 oder 20/4 | Maximale Photosynthese ohne Blüh-Trigger |
Keimung | 18-24 h Licht | Keimenergie bereitstellen, kein Blüh-Trigger nötig |
Lichtzyklus in der Wachstumsphase
In der Wachstumsphase, auch vegetative Phase oder kurz „Veg" genannt, baut eure Pflanze Struktur auf: Stängel, Blätter, Wurzeln. Je stabiler und kräftiger die Pflanze aus dieser Phase herauskommt, desto mehr Ertragspotenzial bringt sie in die Blüte mit.
Das Ziel des Lichtzyklus in dieser Phase ist klar: möglichst viel Lichtenergie für Wachstum bereitstellen, ohne die Blüte auszulösen.
Der 18/6 -Zyklus: bewährte Standard und warum er funktioniert
18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit, das ist der mit Abstand meistgenutzte Lichtzyklus in der Wachstumsphase, und das aus gutem Grund.
18/6 simuliert einen langen Sommertag, wie ihn die meisten Cannabispflanzen in den Monaten Mai bis Juli erleben würden. Die Pflanzen nehmen wahr: Die Nächte sind kurz, der Sommer läuft und es gibt keinen Grund zur Blüte zu wechseln. Das Ergebnis ist ein stabiles, kräftiges Wachstum ohne ungewollten “Blühtrigger”.
Der 6-stündige “Dunkelblock” bedeutet dabei keine Zeitverschwendung. In der Dunkelphase laufen wichtige Stoffwechselprozesse ab, die nur ohne Licht funktionieren: Enzyme werden synthetisiert, Wurzeln wachsen besonders aktiv und die Pflanze verarbeitet die tagsüber aufgenommenen Nährstoffe. 18/6 ist damit nicht nur sicher, sondern womöglich auch effizienter als aggressivere Zyklen.
Für wen ist 18/6 die richtige Wahl?
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Für alle Einsteiger ohne Ausnahme
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Für photoperiodische Sorten in der Veg-Phase
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Für Grows, bei denen Energieeffizienz eine Rolle spielt
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Für Setups, bei denen Autos und Photoperiodics im selben Zelt wachsen
Der 20/4 -Zyklus: schnelleres Wachstum oder unnötiger Stress?
20 Stunden Licht, 4 Stunden Dunkelheit. Mehr Licht = mehr Photosynthese = schnelleres Wachstum, so die Logik. In der Praxis stimmt das, aber mit Einschränkungen.
20/4 kann das Wachstumstempo tatsächlich etwas erhöhen. Für Autoflower-Sorten ist dieser Zyklus sogar besonders beliebt (dazu mehr im Abschnitt über die Autoflower). Bei photoperiodischen Sorten ist der Vorteil gegenüber 18/6 jedoch meist marginal, bei gleichzeitig höheren Stromkosten. Gegebenenfalls gilt es, die Intensität der Beleuchtung zu reduzieren, um bei einem 20/4-Zyklus den optimalen DLI nicht zu überschreiten.
Wie viel mehr Strom euch 20/4 im Vergleich zu 18/6 über einen ganzen Grow kostet, zeigt euch unser Stromkostenrechner. Gebt dort einfach Wattzahl und Stunden ein und vergleicht die Kosten der unterschiedlichen Beleuchtungszyklen.
Der 24/0 -Zyklus: sinnvoll oder schädlich?
Kein Schlaf für die Pflanze, dafür aber maximalem Output? Das klingt zunächst logisch ist in der Praxis aber die umstrittenste Option.
Das spricht für 24/0:
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Maximale Photosynthesezeit
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Womöglich nützlich in der sehr frühen Keimlings-Phasen (erste 1-2 Wochen)
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Kein Timer nötig
Das spricht dagegen:
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Viele photoperiodische Sorten zeigen bei Dauerlicht Stressreaktionen: Blätter rollen sich ein, Wachstum verlangsamt sich paradoxerweise
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Bestimmte Enzyme und Wachstumsprozesse laufen nur in der Dunkelheit ab
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Höherer Stromverbrauch ohne proportionalen Mehrertrag
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Erhöhte Wärmeentwicklung im Zelt
Fazit zu 24/0: Für die Keimung kurzzeitig vertretbar. Für die gesamte Veg-Phase bei photoperiodischen Sorten nicht empfehlenswert. Bei Autoflowern möglich, aber 18/6 oder 20/4 schneiden in der Praxis meist besser ab.
Vergleichstabelle: 18/6 vs. 20/4 vs. 24/0
Kriterium | 18/6 | 20/4 | 24/0 |
|---|---|---|---|
Wachstumsgeschwindigkeit | ★★★★☆ | ★★★★★ | ★★★☆☆ |
Stromkosten | ★★★★★ (niedrig) | ★★★★☆ | ★★★☆☆ |
Stressrisiko (Photoperiodisch) | gering | gering-mittel | mittel-hoch |
Geeignet für Autoflower | ✅ ja | ✅ ja | ⚠️ möglich |
Geeignet für Photoperiodisch | ✅ ja | ✅ ja | ⚠️ mit Vorsicht |
Empfehlung für Einsteiger | ✅ Erste Wahl | für Fortgeschrittene | nicht empfohlen |
Lichtzyklus in der Blütephase
Die Blütephase ist der entscheidende Abschnitt jedes Grows. Hier verwandelt sich die aufgebaute Biomasse in Blüten, und ein veränderter Lichtzyklus ist der Schlüsselreiz, der diesen Prozess überhaupt erst auslöst.
Warum 12/12 die Blüte auslöst (die Biologie dahinter)
Um zu verstehen, warum 12/12 funktioniert, müsst ihr wissen, was in der Pflanze passiert.
Cannabis besitzt spezielle Lichtrezeptor-Proteine, die sogenannten Phytochrome, genauer: Phytochrom Rot (Pr) und Phytochrom Dunkelrot (Pfr). Diese Proteine reagieren auf Licht unterschiedlicher Wellenlängen und schalten je nach Lichtverhältnis zwischen zwei Zuständen um. Vereinfacht gesagt: Tagsüber überwiegt die aktive Form (Pfr), die das Wachstum fördert. In der Dunkelheit wird Pfr langsam wieder in die inaktive Form (Pr) umgewandelt.
Dabei misst Cannabis nicht, wie viele Stunden Licht es bekommt, sondern Cannabis misst, wie lange die ununterbrochene Dunkelphase dauert. Sobald diese eine artspezifische kritische Nachtlänge überschreitet (bei Cannabis typischerweise um die 12 Stunden), produziert die Pflanze Blühhormone und beginnt mit der Blütenbildung.
Deshalb ist 12/12 der Standard, weil 12 Stunden Dunkelheit verlässlich diese kritische Schwelle (bei den meisten Cannabis-Sorten) überschreitet. In der Natur entspricht das dem Übergang vom Sommer in den Frühherbst, wenn die Tage kürzer werden und Cannabis „weiß", dass die Vegetationsperiode zu Ende geht.
Was passiert bei Lichtlecks?
Da nicht die Lichtstunden, sondern die Länge der ununterbrochenen Dunkelphase der entscheidende Trigger ist, reicht schon ein kleines Lichtleck, um den gesamten Blühprozess zu stören.
Selbst kurze und schwache Beleuchtung während der Dunkelphase, ein Spalt im Zelt-Reißverschluss, eine Standby-LED am Controller, das kurze Öffnen der Zelttür, können folgendes auslösen:
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Verzögerte Blüte: Die Pfr-Konzentration wird wieder angehoben, die kritische Nachtlänge wird nicht erreicht, der Blüh-Trigger funktioniert nicht
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Re-Vegging: Die Pflanze fällt in den vegetativen Modus zurück, was während der Blüte ein ernstes Problem darstellt
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Hermaphroditismus (Zwitterbildung): Anhaltender Lichtstress kann dazu führen, dass weibliche Pflanzen männliche Blütenanlagen entwickeln und die eigene Ernte bestäuben
Lichtleck-Checkliste: Diese 7 Stellen müsst ihr prüfen
Macht diesen Check am besten tagsüber bei vollständig geschlossenem Zelt, von innen:
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Reißverschlüsse und Nähte am Growzelt
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Lüftungsöffnungen und Schläuche (oft vergessen!)
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Stromanschlüsse und Kabelöffnungen
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Kontrollleuchten von Zeitschaltuhr, Controller oder Lüfter
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Türspalten beim Grow im Zimmer oder Keller
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Fenster in der Nähe des Grows (Straßenlaterne, Mondlicht)
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Nachleuchtende Schalter oder Steckdosenleisten
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Kombination aus Zeitschaltuhr und LED (manche LEDs leuchten trotz Abschaltung durch Zeitschaltuhr schwach weiter)
Praxis-Tipp: Macht euren Lichtleck-Check immer im Dunkeln. Stellt euch für 5 Minuten ins geschlossene Zelt und lasst eure Augen sich anpassen. Jede Lichtquelle, die ihr dann seht, könnte zum Problem werden.
Gibt es Alternativen zu 12/12?
12/12 ist der Standard, aber es gibt Situationen, in denen andere Zyklen in der Blüte sinnvoll sein können:
11/13 (11 Stunden Licht, 13 Stunden Dunkel): Einige Grower nutzen diesen Zyklus gegen Ende der Blüte, um die Reife etwas zu beschleunigen und die Harzproduktion anzuregen. Der Effekt ist sortenabhängig und wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegt. Für Einsteiger nicht empfohlen.
10/14: Extremer Herbst-Trigger, kann bei trägen Sorten helfen, die Blüte anzustoßen. Nachteil: Die Pflanze bekommt 2 Stunden weniger Licht pro Tag, was zu Ertragseinbußen führt. Nur in Ausnahmesituationen sinnvoll.
13/11 (umgekehrt): Manche Grower verlängern zu Beginn der Blüte kurz auf 13 Stunden Licht, um den Übergang sanfter zu gestalten. Kein klarer Vorteil gegenüber dem direkten Wechsel auf 12/12.
Far Red LED Grow Light: Wer den Umstieg von der vegetativen Phase zur Blüte noch mehr kontrollieren möchte, sollte sich mit dem Thema Far Red LED beschäftigen. Im verlinkten Beitrag erfahrt ihr, welchen Einfluss tiefrotes Licht auf die Phytochrome hat.
Wann sollte man den Lichtzyklus auf 12/12 umstellen?
Das ist eine der meistgestellten Fragen im Indoor-Grow, die sich nicht mit einer fixen Wochenzahl beantworten.
Die drei entscheidenden Faktoren sind:
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Boxhöhe und Abstand zur Lampe: Euer Growraum hat eine feste Obergrenze. Zieht davon den Mindestabstand eurer LED (meist 25-40 cm) und die Topfhöhe ab. Was übrig bleibt, ist eure verfügbarer Höhe. Da Cannabispflanzen beim Stretch ihre Größe leicht verdoppeln oder verdreifachen können, sollte die Pflanze zum Zeitpunkt der Umstellung nicht mehr als 40-50 % dieser verfügbaren Höhe einnehmen.
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Genetik und Stretch-Verhalten: Sativa-dominante Sorten stretchen deutlich stärker als Indicas. Eine lange Sativa sollte daher deutlich früher in die Blüte geschickt werden als eine kompakte Indica.
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Trainingsstand der Pflanze: Getoppte, trainierte oder im ScroG geführte Pflanzen können länger in der Veg-Phase bleiben, weil ihr Training das unkontrollierte Höhenwachstum begrenzt. Untrainierte Pflanzen sollten früher umgestellt werden.
Mehr dazu: Den vollständigen Guide mit konkreten Empfehlungen nach Boxgröße, Genetik und Trainingsmethode findet ihr in unserem Ratgeber: Wann Cannabis in die Blüte schicken?
Autoflower Lichtzyklus – die große Ausnahme
Autoflowering Sorten sind für viele Einsteiger die erste Wahl. Diese besonderen Sorten funktionieren nach einer völlig anderen Logik als photoperiodische Pflanzen:
Warum Autoflowers keinen 12/12-Trigger brauchen
Autoflower-Sorten stammen von Cannabis ruderalis ab, einer Unterart, die ursprünglich in Sibirien und Zentralasien beheimatet ist. In diesen Regionen sind die Sommer so kurz, dass keine Zeit bleibt, auf Veränderungen im Lichtzyklus zu warten. Ruderalis hat daher evolutionär eine andere Strategie entwickelt: Die Blüte wird nicht durch die Dunkelphase ausgelöst, sondern durch das Alter der Pflanze.
Der genetische Grund dafür ist gut belegt: Ein spezifisches Blüh-Gen (CsFT1), ähnlich dem bekannten FLOWERING LOCUS T aus der Modellpflanze Arabidopsis, macht Autoflower unabhängig vom Lichtzyklus. Sie blühen schlicht, wenn sie alt genug sind, egal ob 12, 18 oder 24 Stunden Licht.
Das bedeutet für euch praktisch: Ihr müsst den Lichtzyklus nicht umstellen. Autoflower laufen den gesamten Lebenszyklus unter demselben Zyklus durch.
18/6, 20/4 oder 24/0: Was ist für Autoflower optimal?
Da Autoflower nicht auf den Lichtzyklus reagieren, habt ihr mehr Spielraum. Die Faustregel: Mehr Licht = mehr Photosynthese = potenziell mehr Ertrag. Aber auch hier gibt es Grenzen.
Hier die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Zyklen für Autoflower:
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18/6: Bewährter Standard, gutes Gleichgewicht aus Wachstum und Energieeffizienz. Erlaubt Dunkelphase für Stoffwechsel. Für Mixed-Grows (Autos + Photos) ideal.
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20/4: Etwas schnelleres Wachstum, marginal höhere Erträge möglich. Höhere Stromkosten. Beliebte Wahl für reine Auto-Grows.
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24/0: Theoretisch maximale Photosynthese. Praxis zeigt oft keinen signifikanten Mehrertrag. Einige Sorten reagieren mit Stress. Kein Timer nötig, aber höhere Kosten.
Unsere Empfehlung: Startet mit 18/6, da es der risikoärmste Einstieg ist. Wenn ihr mehr Ertrag herausholen wollt und die Stromkosten keine Rolle spielen, probiert 20/4. Den genauen Unterschied in euren Energiekosten könnt ihr mit dem Stromkostenrechner berechnen.
Hinweis für Mixed-Grows: Wenn ihr Autoflower und photoperiodische Pflanzen im selben Zelt anbaut, müsst ihr auf 12/12 für die Blüte umstellen. Das schadet den Autos nicht akut, führt aber zu kleineren Erträgen, weil sie weniger Licht bekommen als optimalerweise.
12/12 from Seed: Eine Nischen-Methode mit echten Anwendungsfällen
Eine Methode, die in Deutschland noch weniger verbreitet ist: 12/12 from Seed, was bedeutet, photoperiodische Pflanzen von der Keimung an direkt unter 12/12-Beleuchtung zu halten. Das klingt zunächst widersinnig, hat aber tatsächlich Anwendungsfälle.
Wie es funktioniert: Photoperiodische Pflanzen unter 12/12 überspringen keine Veg-Phase vollständig, sie haben allerdings eine kurze, genetisch bedingte Juvenilphase von etwa 2-3 Wochen, in der sie nicht auf den Blüh-Trigger reagieren. Danach beginnen sie zu blühen. Das Ergebnis sind sehr kleine Pflanzen mit einem einzigen Hauptbud (sogenannte „One-Bud-Plants").
Wann ist 12/12 from Seed sinnvoll?
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Sehr begrenzter Platz (niedrige Growboxen, kleine Zelte)
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Viele kleine Pflanzen auf wenig Fläche statt wenige große (Sea of Green)
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Grower, die mehrere kurze Erntezyklen pro Jahr anstreben
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Als Ergänzung in einem bestehenden Blüte-Zelt ohne separaten Veg-Raum
Was ihr verliert: Erheblich weniger Ertrag pro Pflanze. Weniger Flexibilität bei der Strukturentwicklung. Keine echte Veg-Trainingsphase möglich.
Was ihr gewinnt: Schnellere Gesamtdauer (ca. 7-10 Wochen Keimung bis zur Ernte), weniger Platzbedarf, geringere Stromkosten in der Veg.
Für wen: Fortgeschrittene Grower mit klarem Ziel, nicht für Einsteiger.
Häufige Fehler beim Umgang mit dem Cannabis-Lichtzyklus
Fehler beim Lichtzyklus kosten direkt Ertrag, oder schlimmer, sie kosten euch die gesamte Ernte. Hier sind die häufigsten Fallstricke:
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Zu späte Umstellung auf 12/12: Die Pflanze wächst nach der Umstellung noch erheblich weiter (Stretch). Wer zu lange wartet, kämpft in der Blüte mit Höhenproblemen, Lichtabstand-Stress und angebrannten Blütenspitzen. Als Faustregel gilt: Beim Umschalten sollte die Pflanze nicht mehr als 40-50 % der verfügbaren Höhe einnehmen.
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Lichtlecks in der Dunkelphase: Schon ein kleines Lichtleck kann Re-Vegging oder Hermaphroditismus auslösen. Verwendet die Checkliste weiter oben und prüft das Zelt im Dunkeln.
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Autoflower auf 12/12 schalten: Autoflower blühen unabhängig vom Lichtzyklus. Wer sie auf 12/12 schaltet, gibt ihnen schlicht weniger Licht als nötig, was kleiner Pflanzen und geringere Erträge zur Folge hat.
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Lichtzyklus und Lichtmenge verwechseln: Ein häufiger Denkfehler: „Ich gebe meiner Pflanze 20 Stunden Licht, dann bekommt sie auch viel Licht." Stimmt, aber nur, wenn die Lampe stark genug ist. Eine schwache LED mit 20 Stunden Licht liefert weniger nutzbare Energie als eine starke LED mit 18 Stunden. Dazu mehr im nächsten Abschnitt.
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Zu wenig Licht trotz korrektem Zyklus: Wenn die Lampe zu weit weg hängt oder zu schwach ist, vergeilt die Pflanze, das heißt sie streckt sich aus Lichtmangel, nicht aus genetischem Antrieb. Das kann den Stretch in der Blüte drastisch verschlimmern. Wie ihr Lichtstärke und Abstand richtig einschätzt, erklärt unser Ratgeber: Wie viel Lux brauchen Pflanzen?
Lichtzyklus und Lichtmenge: Zwei unterschiedliche Stellschrauben
Der Lichtzyklus beantwortet: „Wie lange läuft das Licht?" Die Lichtmenge (DLI/PPFD) beantwortet: „Wie viel nutzbare Energie bekommt die Pflanze?"
Beide Stellschrauben sind unabhängig voneinander. Und beide sind wichtig.
Ein Beispiel: Ihr stellt euren Lichtzyklus korrekt auf 12/12 um. Aber eure LED hängt zu hoch, und der PPFD-Wert an der Canopy liegt bei nur 300 µmol/m²/s. Das ist für die Blütephase viel zu wenig. Eure Pflanzen blühen zwar (der Trigger sitzt), aber sie blühen spärlich, weil die Energiezufuhr nicht ausreicht.
Umgekehrt: Ihr hängt eine starke LED sehr nah an die Pflanzen heran (hoher PPFD), aber lauft noch im 18/6-Zyklus. Die Blüte wird nicht ausgelöst, egal wie viel Lichtenergie da ist.
Lichtzyklus und Lichtmenge müssen zusammen passen.
Das Konzept, das beide Faktoren vereint, ist das Daily Light Integral (DLI): Es beschreibt die Gesamtmenge an photosynthetisch aktivem Licht, die eine Pflanze über einen ganzen Tag aufnimmt, berechnet aus PPFD und Beleuchtungsdauer.
Wie ihr euren DLI berechnet und was die optimalen Werte für Wachstums- und Blütephase sind, erklärt unser Academy-Artikel zum Daily Light Integral oder unser DLI-Rechner.
Der häufigste Denkfehler zusammengefasst: Ein langer Lichtzyklus kompensiert nur bedingt eine schwache Lampe. Und eine starke Lampe löst keine Blüte aus, wenn der Zyklus nicht stimmt. Beides muss zusammenpassen.
Fazit: Der richtige Lichtzyklus entscheidet über euren Grow
Der Cannabis Lichtzyklus ist euer mächtigstes Werkzeug im Indoor-Grow, und gleichzeitig eines der am häufigsten falsch verstandenen Konzepte. Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
Photoperiodische Pflanzen brauchen 18/6 in der Veg und 12/12 zur Einleitung der Blüte, wobei nicht die Lichtstunden, sondern die ununterbrochene Dunkelphase der entscheidende Trigger ist. Autoflower blühen unabhängig vom Lichtzyklus und profitieren am meisten von 18/6 oder 20/4 über den gesamten Lebenszyklus. Lichtlecks in der Dunkelphase sind einer der häufigsten und vermeidbarsten Fehler.
Und denkt immer daran: Lichtzyklus und Lichtmenge sind zwei verschiedene Stellschrauben. Wer beide versteht und aufeinander abstimmt, holt das Maximum aus seinem Setup heraus.
FAQ: Cannabis Lichtzyklus
Wie viele Stunden Licht braucht Cannabis?
Das hängt von der Phase ab: In der Wachstumsphase sind 18 Stunden Licht (18/6) der bewährte Standard. In der Blütephase wechselt ihr auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit (12/12). Autoflower können über den gesamten Lebenszyklus bei 18/6 oder 20/4 bleiben.
Ist 24 Stunden Dauerlicht sinnvoll?
Für die frühe Keimphase kurzzeitig vertretbar. Für den gesamten Grow nicht empfohlen: Viele photoperiodische Sorten reagieren auf Dauerlicht mit Stress, und bestimmte Wachstumsprozesse laufen nur in der Dunkelheit ab. Der Mehrertrag gegenüber 18/6 ist in der Praxis meist nicht messbar, die Stromkosten steigen aber deutlich.
Was passiert, wenn die Dunkelphase unterbrochen wird?
Kurze Beleuchtungs-Phasen in der Blütephase können den Blüh-Trigger stören, weil Cannabis die Länge der ununterbrochenen Dunkelphase misst. Je nach Intensität und Häufigkeit drohen: verzögerte Blüte, Re-Vegging (Rückfall in vegetatives Wachstum) oder Hermaphroditismus (Zwitterbildung).
Kann ich während der Blüte mehr Licht geben?
Den Lichtzyklus während der Blüte auf mehr als 12 Stunden Licht zu erhöhen, würde die Blüte stoppen und Re-Vegging auslösen. Was ihr stattdessen optimieren könnt, ist die Lichtintensität (PPFD), also die Lampe näher hängen oder eine stärkere Lampe nutzen, solange Mindestabstände eingehalten werden.
Wann beginnt die Blüte nach der Umstellung auf 12/12 wirklich?
Die ersten sichtbaren Blütenansätze zeigen sich meist nach 1-2 Wochen. Vorher durchlaufen die Pflanzen den sogenannten Stretch, ein kräftiges Höhenwachstum als letzte vegetative Reaktion. Die eigentliche Blütenbildung beginnt also nicht am Tag der Umstellung, sondern schleicht sich schrittweise ein.
Was ist der Unterschied zwischen Lichtzyklus und Lichtmenge?
Der Lichtzyklus beschreibt, wie viele Stunden das Licht täglich läuft. Die Lichtmenge (messbar als PPFD oder DLI) beschreibt, wie viel nutzbare Lichtenergie die Pflanze dabei aufnimmt. Beide Faktoren hängen eng miteinander zusammen.
Quellenverzeichnis
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Hinweis zur Genauigkeit dieses Rechners:
Dieser Lichtzyklus-Planer ist als grobe Orientierungshilfe gedacht und nicht als präzises Vorhersage-Tool. Er soll euch ein Gefühl dafür geben, wie viel Raum der Stretch in Anspruch nehmen kann, damit ihr ihn nicht unterschätzt. Für verbindliche Planung ersetzt er keine eigene Beobachtung und Erfahrung.
Ein wichtiger Punkt, den der Rechner nicht abbilden kann: Je größer eine Pflanze zum Zeitpunkt der Umstellung bereits ist, desto geringer fällt der Stretch in der Regel aus. Eine Sativa, die beim Wechsel auf 12/12 bereits 150 cm misst, wird in der Praxis kaum noch auf 4 Meter strecken, auch wenn der Faktor 2× oder 3× das theoretisch suggeriert. Der Stretch-Faktor beschreibt eher das Verhalten junger, kompakter Pflanzen in frühen Blütestadien. Bei bereits großen Pflanzen verliert er an Aussagekraft.
Die hier verwendeten Stretch-Faktoren sowie die Einteilung nach Indica und Sativa sind stark vereinfacht und basieren auf groben Erfahrungswerten aus der Grow-Community und nicht auf wissenschaftlich kontrollierten Studien. In der Realität variiert das Streckungsverhalten erheblich: zwischen verschiedenen Strains, aber auch zwischen zwei Pflanzen desselben Strains unter identischen Bedingungen. Faktoren wie Lichtintensität, Temperatur, Trainingsstand, Topfgröße und individuelle Genetik beeinflussen den Stretch zusätzlich auf eine Weise, die kein einfacher Multiplikator erfassen kann.