far red led
Far Red LED Grow Lights nutzen wissenschaftlich bewiesene Effekte für höhere Erträge, indem sie Licht mit Wellenlängen zwischen 700 und 760 nm emittieren. Dabei gibt es ganz verschiedene Arten von Far Red LEDs.
Auf dieser Seite findet ihr sowohl Grow-LEDs, die neben dem klassischen Vollspektrum auch Far-Red-Anteile aufweisen, als auch Far Red LEDs, die im Bar Style als Zusatzbeleuchtung (Supplemental Lighting) eingesetzt werden können. Im Gegensatz zu den meisten anderen LED-Vergleichen geht es hier weniger um Effizienz und Leistung, sondern darum, eine Pflanzenlampe zu finden, die sich in das eigene Setup integrieren lässt.
Im Ratgeber weiter unten erklären wir euch, wie Far Red über Phytochrome wirkt und was es mit dem Emerson Enhancement Effect auf sich hat. Ihr erfahrt, wie End of Day Treatment funktioniert, wie die R:FR Ratio, Morphologie und Cannabinoid-Produktion beeinflusst und was der Shade Avoidance Response für euren Grow bedeutet. Außerdem zeigen wir, welche Bauformen es gibt, wie ihr Far Red richtig in euren Beleuchtungszyklus integriert und welche Fehler ihr bei dieser Art der Cannabis-Beleuchtung unbedingt vermeiden solltet.

Was ist fernrotes Licht und warum ist es wichtig?
Far Red (zu deutsch fernrot oder auch dunkelrot) bezeichnet Lichtwellenlängen zwischen 700 und 760 nm, wobei 730 nm die wichtigste Wellenlänge für Cannabis ist. Anders als sichtbares rotes Licht (660 nm Deep Red) liegt Far Red am Rand des für Menschen sichtbaren Spektrums.
Lange Zeit wurde Far Red ignoriert, weil es außerhalb des PAR-Bereichs (400-700 nm) liegt. Inzwischen weiß man jedoch, dass Far Red LEDs Einfluss auf Photosynthese, Morphologie und Bildung von Cannabinoiden haben.
Die Wirkung läuft über Photorezeptoren (Phytochrome) in der Pflanze. Phytochrome existieren in zwei Formen: Pr (inaktiv, absorbiert rotes Licht) und Pfr (aktiv, absorbiert Far Red). Rotes Licht wandelt Pr in Pfr um, Far Red macht das Gegenteil. Dieses Gleichgewicht steuert wichtige Prozesse innerhalb der Pflanzen.
Die R:FR Ratio (Verhältnis von rotem zu fernrotem Licht) signalisiert der Pflanze, in welcher Umgebung sie steht. Eine hohe R:FR bedeutet volle Sonne, wohingegen eine niedrige R:FR von der Pflanze als Schatten interpretiert wird. Je nach Ratio reagiert die Pflanze komplett unterschiedlich.
In diesem Kontext ist der Emerson-Effekt von großer Bedeutung, mit dem wir uns in einem eigenen Blogbeitrag detaillierter beschäftigen. Hier nur in aller Kürze, was der sogenannte Emerson Enhancement Effect besagt:
Unter bestimmten Voraussetzungen steigert die zusätzliche Beleuchtung mit fernrotem Licht die Photosyntheseleistung der Pflanze, wodurch es zu einer Ertragssteigerung und in manchen Fällen auch zu einer Steigerung der Cannabinoid-Produktion kommen kann. Der Emerson-Effekt tritt aber nur dann auf, wenn auch ausreichend Deep Red (660 nm) vorhanden ist.
End of Day (EOD) Treatment
Die bekannteste Anwendung von Far Red LED ist das End of Day Treatment (kurz EOD), bei dem die Pflanzen unmittelbar nach Ausschalten der Hauptbeleuchtung für 5-15 Minuten mit Far Red Licht beleuchtet werden.
Ziel ist es, dass Far Red das aktive Phytochrom (Pfr) schneller in die inaktive Form (Pr) umwandelt. Die Pflanze "denkt" dann, dass die Nacht jetzt sofort schon da ist und nicht erst nach 1-2 Stunden Dämmerung wie in der Natur.
Indoor braucht Cannabis typischerweise etwa 1–2 Stunden, um von Tag auf Nacht umzuschalten. Mit EOD Far Red passiert das in Minuten. Erfahrene Grower können auf diese Weise die Photoperiode von 12/12 auf 13/11 oder sogar 13,5/10,5 verlängern, ohne ein Re-Vegging zu verursachen.
Manche Grower schalten Far Red auch 15 Minuten vor der Hauptbeleuchtung ein (Early Morning Treatment). Die Pflanze soll so schneller "aufwachen". Die Datenlage dazu ist jedoch dünn, weshalb das Morning Treatment eher experimentell bleibt.
Shade Avoidance Response: Stretch gezielt steuern
Far Red löst nicht nur den Emerson-Effekt aus, sondern auch den Shade Avoidance Response (“Schattenfluchtreaktion”). In der Natur bedeutet viel Far Red, dass die Pflanze im Schatten von Nachbarpflanzen steht. Cannabis reagiert darauf mit Streckungswachstum (Stem Elongation), um über die Konkurrenz hinauswachsen und mehr Sonnenlicht abzubekommen. Dieser Effekt wird durch eine niedrige R:FR Ratio ausgelöst (viel Far Red, wenig rotes Licht).
Bei kompakten Indica-Sorten oder in SCROG-Setups, wo mehr Höhe erwünscht ist, kann dieser Effekt mitunter erwünscht sein. Im Falle von Sativas ist jedoch Vorsicht geboten. Außerdem kann zu viel Far Red unter Umständen die Blütezeit verlängern und sich auch negativ auf den Ertrag auswirken, weshalb Far Red während der Blüte nur als EOD Treatment genutzt werden sollte.
Far Red und Cannabinoide: THC, CBD und Terpene
Die Wirkung von Far Red auf Cannabinoide ist komplex und stark sortenspezifisch, wie eine aktuelle Studie zeigt¹:
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Northern Lights: 70% mehr THC durch 10L_2D Treatment (10h Hauptlicht + 2h Far Red in Dunkelphase)
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Hindu Kush: Erhöhte THC-Konzentration durch 10L_2_2D ( 10h Hauptlicht + 2h Far Red vor und nach Dunkelphase)
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Cannatonic: Keine signifikanten Veränderungen
Es zeigt sich also, dass manche Sorten stark auf Far Red reagieren, andere jedoch kaum. So könnte es sein, dass indica-dominante Sorten (Hindu Kush, Northern Lights) empfänglicher sind als stark CBD-haltige Sorten (Cannatonic), auch wenn dieser Schluss bisher nur auf wenigen getesteten Genotypen basiert.
Zudem gibt es Hinweise, dass zu viel Far Red den Terpengehalt reduzieren kann (Llewellyn et al. 2024)². Während eine moderate Far‑Red‑Zugabe die Photosynthese steigern kann, wurde bei übermäßiger Far‑Red‑Exposition in einzelnen Versuchen eine Zunahme der Biomasse bei gleichzeitigem Rückgang sekundärer Metaboliten beobachtet (also weniger Geschmack und Aroma).
Die Balance ist also entscheidend: Moderate Far Red Nutzung (EOD mit 15-30 Min) scheint THC zu fördern, ohne Terpene zu opfern. Exzessive Far Red Nutzung (stundenlang/tagsüber) steigert zwar mitunter die Biomasse, geht aber auf Kosten der Qualität.
Far Red Bars und Module: Bauformen und Einsatz
Wie eingangs erwähnt, gibt es Far Red LEDs in verschiedenen Bauformen, wobei unsere Liste nur einen Bruchteil der erhältlichen Produkte abbildet. Typischerweise erhältlich sind:
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Far Red Pucks/Discs: Kompakte runde Module mit 10-30W. Ideal für kleine Zelte (60 x 60 cm bis 80 x 80 cm). Günstig und einfach zu installieren.
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Far Red LED Bars: Schmale, lineare Bars mit 30-100W. Für größere Flächen (100 x 100 cm oder größer). Gleichmäßigere Verteilung als Pucks.
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Far Red LED Streifen: Flexible Strips für DIY-Projekte. Können individuell zugeschnitten und platziert werden. Für Tüftler mit eigenem Vorschaltgerät.
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Integrierte Far Red in Multi-Bar-Systemen: Manche Hersteller verbauen Far Red direkt in ihren Bar Style LED Grow Lights.
Standalone Far Red Module (Pucks, Bars) bieten maximale Flexibilität, da ihr sie unabhängig von der Hauptbeleuchtung schalten könnt. Integrierte Lösungen sind zwar bequemer, aber weniger anpassbar.
Für EOD Treatment reichen 10-30W Far Red auf 100 x 100 cm. Für durchgängige Nutzung (Emerson-Effekt tagsüber) braucht ihr mehr, also etwa 5-10% der Leistung eures Hauptlichts.
Installation und Timing: So nutzt ihr Far Red optimal
Die Far Red Bars hängt ihr parallel zu euren Hauptbars auf, etwa auf gleicher Höhe oder etwas niedriger. Far Red Pucks positioniert ihr zentral oder verteilt. Die Lichtverteilung ist bei 730 nm weniger kritisch als bei PAR.
Für die Steuerung eurer Far Red LEDs nutzt ihr eine Zeitschaltuhr oder einen Smart-Controller. Far Red muss unabhängig von der Hauptbeleuchtung ein- und ausgeschaltet werden können (falls ihr es für EOD Treatment nutzen wollt).
Klassisches EOD-Timing:
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Hauptlicht: 12h an (z.B. 6:00-18:00 Uhr)
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Far Red: 15 Min nach Licht-Aus (18:00-18:15 Uhr)
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Dunkelphase: 12h (18:15-6:00 Uhr)
Aggressiveres Timing (Peterswald-Methode):
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Hauptlicht: 10h an (z.B. 8:00-18:00 Uhr)
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Far Red: 2h nach Licht-Aus (18:00-20:00 Uhr)
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Dunkelphase: 10,25h (20:00-6:15 Uhr)
Early Morning + EOD:
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Far Red: 15 Min vor Hauptlicht (5:45-6:00 Uhr)
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Hauptlicht: 12h (6:00-18:00 Uhr)
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Far Red: 15 Min nach Hauptlicht (18:00-18:15 Uhr)
Wichtig: Testet neue Timings immer erst an wenigen Pflanzen. Manche Sorten reagieren empfindlich, andere gar nicht.
Häufige Fehler bei Far Red Nutzung
Wie wir schon mehrfach anklingen lassen haben, ist der Einsatz von Far Red eher für erfahrene Grower geeignet. So oder so solltet ihr darauf achten, die folgenden Fehler zu vermeiden:
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Zu viel Far Red tagsüber: Far Red durchgängig während der 12h Hauptbeleuchtung führt zu exzessivem Stretch und kann die Blüte verzögern. Far Red ist kein Hauptlicht, sondern ein Supplement.
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Falsches Timing: Far Red während der Dunkelphase (außer direkt nach dem Ausschalten des Lichts) unterbricht die Nachtruhe und kann Hermaphroditen verursachen.
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Zu wenig Intensität: 5W Far Red auf 120 x 120 cm bringen nicht viel. Für EOD braucht ihr auf diese Größe mindestens 10-20W, besser 30W.
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Kein Deep Red: Far Red ohne ausreichend Deep Red (660 nm) verpasst den Emerson-Effekt. Eure Hauptlampe sollte Deep Red enthalten, da Far Red sonst wirkungslos bleibt.
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Jede Sorte gleich behandeln: Northern Lights liebt Far Red, Cannatonic reagiert kaum. Testet sortenspezifisch, übernehmt nicht blind Settings von anderen Grows.
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Zu spät eingeführt: Far Red in Woche 7 von 8 Blütewochen einzuführen bringt kaum Effekte. Startet ab Beginn der Blüte oder sogar in der späten Veg.
Fazit: Wann lohnt sich Far Red LED?
Eine Far Red LED ist kein unnötiges “Gimmick”: Der Emerson Enhancement Effekt funktioniert, EOD Treatment verkürzt nachweislich die Initiierung der Blüte und bei passenden Sorten steigert Far Red Ertrag und Potenz.
Besonders lohnend könnte Far Red für erfahrene Grower sein, die ihre Photoperiode optimieren und Strom sparen wollen. Für Anfänger oder sehr kleine Setups unter 60 x 60 cm ist fernrotes Licht eher optional. Wie immer gilt: Erst die Basics meistern, dann optimieren.

